Aktuelles: Aus für Sondierungsgespräche

Schluss mit Kompromissen - Zeit für Synergie

"Sind Sie bereit, eine Lösung zu suchen, die besser ist, als das, was jeder von uns momentan im Kopf hat?

 

 Hat ein Jamaika-Verhandler diese Frage gestellt? Ich bezweifle es. Um eine solche Frage zu stellen, müsste man damit beginnen, Kompromisse in Frage zu stellen und sich auf einen neuen Weg machen: Synergie zu finden.

 

Was steht dahinter, dass die FDP unbedingt den Soli abschaffen möchte? Sie möchte, dass die Bürger entlastet werden, dass sie wieder mehr Geld in der Tasche haben und selbst entscheiden können, wofür sie es ausgeben möchten. Was steht dahinter, dass die Grünen die Massentierhaltung begrenzen möchten? Sie möchten nicht, dass die Tiere Schmerzen haben und leiden müssen. Bei der Diskussion um Kompromisse werden statt der Beweggründe nur die offensichtlichen Lösungsstrategien diskutiert – und dann oft ein fauler Kompromiss geschlossen nach dem Motto, ich beweg mich ein bisschen und Du bewegst Dich ein bisschen. Damit werden die Probleme aber oft gar nicht nachhaltig gelöst, denn von der ursprünglich gut überlegten Lösung ist ja nur noch die Hälfte da. Da werden die Bürger so entlastet, dass es für einmal Essen gehen reicht, vom ursprünglichen Gedanken ist nicht mehr viel übrig. Die Massentierhaltung wird nur auf dem Papier angegriffen, kleine Betriebe fallen durch die Förderung, vom ursprünglichen Gedanken ist auch hier nicht mehr viel übrig. So funktionieren Kompromisse. Synergie dagegen diskutiert nicht die Lösungen, sondern fördert durch den offenen Umgang mit den Beweggründen den „großen Wurf“. Die FDP will wahrscheinlich auch nicht, dass Tiere Schmerzen haben, die Grünen wollen auch, dass die Bürger entlastet werden. Über das gegenseitige Verständnis kommen gute Lösungen zu Tage. Das ist keine Spinnerei, in der realen Welt gibt es so eine Form der Kommunikation, sie wird in der Mediation erfolgreich angewendet. Und auch in der Politik kann die Kraft der Synergie genutzt werden, um endlich aus dem Klein-Klein des Parteienalltags herauszukommen.  

 

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Mediation ist wie eine Brücke bauen...

Störfix (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Froschgrundseebruecke-072008.jpg), „Froschgrundseebruecke-072008“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode
Quelle: Störfix, Froschgrundseebruecke-072008, CC BY-SA 3.0

Ich habe mich in Brücken verliebt, als ich angefangen habe, ein passendes Brückenbild für diese Website zu suchen. Ich wollte Verbindung zeigen und das Hindernis darunter. Gefunden habe ich unzählige, ganz verschiedene Brücken. Regensburg hat eine sehr bekannte, die Steinerne Brücke über die Donau. Die Brücken in Taiwan sehen ganz anders aus - oder in China - oder in Amerika. Das Baumaterial ist verschieden, aus Stein, Holz oder Stahl, sie sind traditionell gebaut, modern oder ganz einfach. Die Ausgangsbasis ist unterschiedlich. Überspannen sie einen Fluß, ein Meer oder ein Tal? Je nachdem unterscheiden sie sich in ihrer Konstruktion. Ganz deutlich ist auch der Stil der Erbauer zu sehen und ihre Vorstellung, eine Verbindung zu schaffen, das erst macht eine Brücke einzigartig.

Ich sehe sehr viele Gemeinsamkeiten zwischen Brücken und Mediation. Sie werden von beiden Seiten gebaut, beide Seiten zielen zum jeweils Anderen hinüber, kommen einander entgegen. Im Brückenbau wie in der Mediation ist ein unabhängiger Statiker wichtig, der die Konstruktion kennt, der die Herausforderungen für beide Seiten versteht und so übersetzen kann, dass beide Seiten in sich stabil stehen und zum anderen hinübersehen können. Und noch ein weiterer Punkt verbindet beide: Jede Brücke und jede Lösung einer Mediation ist einzigartig. Jeder Untergrund ist anders, statische Herausforderungen sind verschieden und führen zu völlig unterschiedlichen Konstruktionen, im Brückenbau kann man es ganz deutlich sehen. In einer Mediation - anders als in unserem Rechtssystem - sind die Lösungen individuell verschieden, eben der besonderen Situation angepasst.

Mit den vielen verschiedenen Brückenbildern möchte ich Sie inspirieren, eine ganz eigene, stimmige und tragfähige Lösung für Ihren Konflikt zu finden. Sehr gerne unterstütze ich Sie beim Bau Ihrer Brücke.

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Kommunikation - das Herz einer Beziehung

Kommunikation ist das Herz einer Beziehung, wenn sie gelingt, ist alles möglich -  ist sie gestört, sind Konflikte vorprogrammiert.

 

Heute möchte ich die Gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg näher beleuchten, sie liegt auch der Transformativen Mediation zugrunde und ist ein Weg, seine Gefühle und Bedürfnisse zu äußern, ohne den andern anzugreifen oder gar zu verletzen.

Der Aufbau der Gewaltfreien Kommunikation ist sehr einfach. Sie besteht aus 4 Schritten:

  1. Beobachtung - ich beschreibe genau, was ich wahrgenommen habe. Ich sage nicht: "Mario Huber ist ein schlechter Stürmer", sondern ich beschreibe genau: "Mario Huber hat seit 5 Spielen kein Tor geschossen."
  2. Gefühl - jetzt höre ich genau in mich hinein, welches Gefühl auftaucht. Dabei beachte ich, dass ich ein vom anderen unabhängiges Gefühl formuliere. "Ich fühle mich hintergangen" ist kein wirkliches Gefühl. Es ist eine Interpretation meiner Wahrnehmung. Besser sage ich "Ich bin traurig, wenn Du ... zu mir sagst."
  3. Bedürfnis - oft das schwierigste herauszufinden. "Ich habe das Bedürfnis, dass Du mir zuhörst" ist nur oberflächlich ein Bedürfnis. Ich kann den anderen nicht dazu zwingen, mir zuzuhören. Deshalb ist es wichtig, wenn in einem Bedürfnis noch das Wörtchen "Du" vorkommt, nochmal genau in sich zu spüren, was darunter liegt. Da ist das verborgene, echte, tiefe Bedürfnis. "Ich möchte gesehen werden, wie ich bin, Ich möchte mich dir öffnen".
  4. Bitte - Rosenberg sagt, wir äußern erst eine Bitte, wenn wir sicher sind, dass der Andere unser Bedürfnis verstanden hat. Dann bitten wir um etwas Konkretes, statt "... daß Du mir hilfst", sagen wir "... bitte ich dich, dich neben mich zu setzen und festzuhalten, damit ich Dir sagen kann, wie ich mich fühle." Genau formulieren, was mir helfen würde, ist wichtig, denn was hilfreich ist, kann der andere nicht riechen, ich muss es ihm mitteilen.

Dabei ist es mir ganz wichtig, herauszustellen, dass die Gewaltfreie Kommunikation keine "Blümchensprache" ist, in der die verletzenden Worte einfach in eine schöne Hülle verpackt werden, damit man sich hinter dieser Fassade verstecken kann.

Marshall Rosenberg, der diese Sprache entwickelt hat, hat immer von der "Sprache des Lebens" gesprochen. Das bedeutet, dass alles, was wahrer Freude am Dasein und unserer Verbindung mit anderen im Weg steht, ausgesprochen werden sollte. Entscheidend ist dabei auch die Haltung, mit der die 4 Schritte angesprochen werden. Fühle ich wirklich in mir, dass ich eine Verbindung zum anderen Menschen aufbauen will und ihn wirklich verstehen will? Stimmt die Haltung nicht, wird der Andere es bemerken und sich manipuliert fühlen.

Giraffen
Foto: Pexels

Marshall Rosenberg hat das Bild von den Giraffen und den Wölfen geprägt. Die Giraffe ist das Landtier mit dem größten Herzen. Deshalb wird die Gewaltfreie Kommunikation auch als "Giraffenspache" bezeichnet. In ihr können wir ausdrücken, was wir fühlen und was uns antreibt, ohne den anderen in die Enge zu treiben.

Im Gegensatz dazu ist die "Wolfsprache" die Sprache der Gewalt. Doch damit ist nicht nur physische Gewalt gemeint, sondern vor allem die Gewalt, die sich in unserer alltäglichen Sprache ausdrückt, die verletzt, anklagt, angreift oder verteidigt. Das Verheerende daran ist, dass sie nicht dazu beiträgt, uns wieder zu verbinden, sondern uns noch weiter voneinander entfernt.

 

Deshalb ist es wichtig, dass der Mediator die Aussagen der Konfliktparteien versteht und in "Giraffensprache" übersetzt, damit die wichtigen Aussagen auch vom Anderen gehört werden können und nicht das alte Spiel Angriff und Gegenangriff weitergespielt werden muss. Deshalb kann man sagen, dass ein Mediator eine Kommunikation organisiert. Er ist sozusagen Katalysator und steuert das Verfahren - ein wichtiges Hilfmittel dafür ist die Gewaltfreie Kommunikation.

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